Aktuelles

Aktueller Stand: Psychotherapie für gesetzlich Versicherte

10. April 2018

 

20 Wochen bis zum Termin.

Ein Jahr nach der Reform der Psychotherapieversorgung müssen Patienten immer noch lange auf den Beginn ihrer ambulanten Behandlung bei Kassentherapeuten warten.

Mehr dazu...

Aktuelle Angebote

Ich biete in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie und weiteren VT-Ausbildungsinstituten Ausbildungssupervision (Einzel- und Gruppensupervision) für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Psychologische Psychotherapeuten und Ärzte in Psychotherapie-Weiterbildung an.

 

Gruppenplätze und Einzelsupervision auf Anfrage.

14. November 2017

 

Des Kaisers neue Kleider: Das Schweigekartell über die psychotherapeutische Unterversorgung hält an

 

Es ist ein Skandal, der weitgehend für die Öffentlichkeit verborgen bleibt: Die psychotherapeutische

Unterversorgung in Deutschland. In vielen Gegenden sind Wartezeiten für eine ambulante psychotherapeutische Behandlung von bis zu einem Jahr und sogar darüber hinaus die Regel. Im Bereich der Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist die Lage besonders eklatant. Dieser unhaltbare Zustand für Patient*innen hat sich trotz vieler Sonntagsreden und Lippenbekenntnisse der Politik seit Jahren nicht gebessert. Im Gegenteil: Wenn es abseits der öffentlichen Reden um konkrete Entscheidungen für die psychotherapeutische Versorgung geht, zeigen die Verantwortlichen ein ganz anderes Gesicht.

Ein Musterbeispiel hierfür ist der jüngste Spruch des Bundesschiedsamts (Zusammensetzung:

GKV-Spitzenverband, Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie ein unparteiischer Vorsitzender und zwei weitere unparteiische Mitglieder). Was auf dem Papier zunächst so wirkt, als diene es dem Wohl der Patient*innen, entpuppt sich als Mogelpackung. Auf Antrag der gesetzlichen Krankenkassen wurde bestimmt, dass die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen gegen deren erklärten Willen künftig auch Termine für probatorische Sitzungen bei Psychotherapeut*innen vermitteln müssen.

 

Der Anschein, dass Patient*innen hierdurch schneller einen Behandlungsplatz ehalten könnten, trügt. Tatsächlich gilt – wie auch schon bei der Einführung der verpflichtenden Sprechstunde

 – dass damit keinerlei Erhöhung der Kapazitäten der Vertragspsychotherapeut*innen verbunden ist. Zu befürchten ist vielmehr, dass den Patient*innen der bislang oft einzige Weg, einen Therapieplatz zu erhalten, künftig von den Krankenkassen noch häufiger verwehrt wird. Kann eine Krankenkasse eine unaufschiebbare psychotherapeutische Behandlung nicht rechtzeitig gewährleisten, muss sie Versicherten die Kosten für eine selbst beschaffte Leistung erstatten. Dieses sogenannte Kostenerstattungsverfahren wird bereits seit Einführung der verpflichtenden Sprechstunde für niedergelassene Psychotherapeut*innen

von zahlreichen Kassen vermehrt abgelehnt unter Verweis auf die Möglichkeit eines Sprechstunden-Besuchs, der von Terminservicestellen vermittelt werden könne.

 

Ihr Kontakt für ergänzende Informationen zum Thema:

Kerstin Burgdorf

07071-943413

burgdorf@dgvt-bv.de

 

Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) e. V. | Corrensstraße 44-46 | 72076 Tübingen | www.dgvt.de

Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie Berufsverband Psychosoziale Berufe (DGVT-BV) e. V. | Corrensstraße 44 | 72076 Tübingen | www.dgvt-bv.de

 01. Juni 2017

Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“

BPtK empfiehlt, Jugendliche mit der Serie nicht allein zu lassen.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) empfiehlt Eltern, ihre jugendlichen Kinder die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" nicht alleine sehen zu lassen, nach der Serie zu fragen, wenn möglich die Serie gemeinsam anzuschauen und darüber zu sprechen. Die Serie kann bei Jugendlichen dazu führen, dass sie

Suizidgedanken entwickeln oder tatsächlich einen Suizid begehen.

Die seit März 2017 ausgestrahlte Serie handelt von einem jungen Mädchen, das sich suizidiert. Es hinterlässt Nachrichten für diejenigen, die sie für ihren Tod mitverantwortlich macht. Die Serie gilt als ausgesprochen populär unter Jugendlichen und ist großes Thema in den sozialen Netzwerken.

Empirische Studien belegen, dass Medienberichte über Suizide dazu führen können, dass die Anzahl von Suiziden steigt. Manche Jugendliche haben während der Pubertät Gedanken, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Besonders für labile Jugendliche kann die Darstellung eines Suizids z. B. in einem Film der Auslöser sein, diese Gedanken weiter zu verfolgen oder gar in die Tat umzusetzen. Suizide sind die zweithäufigste Todesursache in der Altersgruppe von 15 bis 25 Jahre. Auch die ZDF-Serie "Tod eines Schülers" hatte 1981 nach ihrer Ausstrahlung zu Selbstmorden von Jugendlichen geführt. Die BPtK warnt vor der Netflix-Serie

"Tote Mädchen lügen nicht", weil: der Selbstmord der Hauptperson m Film detailliert dargestellt wird und diese Szenen wie eine Handlungsanleitung wirken können, Hannah Baker, die sich in der Serie selbst tötet, ein hübsches, sensibles und ausgesprochen sympathisches Mädchen ist, mit dem sich Zuschauerinnen leicht identifizieren können. Viele Zuschauerinnen werden die emotionalen Probleme der tragischen Heldin gut nachvollziehen können und deshalb auch ihren Suizid für verständlich halten: "Wenn selbst so jemand Hübsches und Tolles wie Hannah es nicht schafft, mit ihren Problemen fertig zu werden, dann schaffe ich es erst recht nicht", der Film den Suizid als Hannah Bakers individuelle Lösung darstellt, die eine lange Vorgeschichte hat.

Jugendliche Zuschauer können ihren Suizid daher leicht als folgerichtige und damit richtige Lösung missverstehen, für Hannah Baker ihr Suizid außerdem eine erlösende Rache an den Schuldigen ihrer seelischen Qualen ist: "Wenn ich tot bin, werden die anderen endlich begreifen, wie schlecht es mir ging und was sie mir angetan haben." Der Film zeigt sogar, wie ihre Rache funktioniert. Einer der beiden Entwicklungsstränge der Geschichte beschreibt, wie sich Eltern und Mitschüler mit den Schuldzuweisungen

("13 Gründe für meinen Selbstmord") auseinandersetzen, die Serie zeigt, dass Eltern, Lehrer und Schulpsychologen nicht in der Lage sind zu erkennen, dass Hannah Baker gefährdet ist. Dies könnte so missverstanden werden, dass Eltern, Lehrer und Schulpsychologen nie eine Hilfe sind. "Erwachsene

lassen einen sowieso nur im Stich, niemand kann mir helfen."

In der Forschung ist der Nachahmeffekt, der durch die Darstellung von Suiziden in Medien ausgelöst werden kann, gut belegt und als "Werther-Effekt" beschrieben (nach Goethes Buch "Die Leiden des jungen Werther"). Dieser Effekt zeigt sich auch bei Erwachsenen. Berühmte Beispiele für solche Nachahmer-Suizide sind die Tode von Kurt Cobain und Robert Enke. Experten haben deshalb Empfehlungen erarbeitet, wie über Selbstmorde berichtet werden sollte, um solche tragischen Folgeeffekte zu vermeiden. Danach sollen insbesondere Presse, Funk und Fernsehen einen Suizid immer als ein Zeichen für psychische Probleme darstellen und über die Hintergründe von Suizidgefährdung sowie Hilfemöglichkeiten informieren.

Die Serie "Tote Mädchen lügen nicht" erzählt durchaus realistisch eine Geschichte, wie im wirklichen Leben alles schiefgeht, was schiefgehen kann.

Eine ausdrückliche Darstellung des Suizids sollte aber auch in einem Film nicht erfolgen. Lehrer können die Netflix-Serie allerdings zum Anlass nehmen, über psychische Leiden und wie man damit umgehen kann zu sprechen. Sie sollten betonen, dass es völlig normal ist, wenn Gefühle verrückt spielen, einen völlig  in Beschlag nehmen, einen an nichts anderes mehr denken lassen. Die BPtK-Website "GeFühle fetzen" beschreibt Jugendliche, die sich intensiv mit verschiedenen Emotionen und Konflikten auseinandersetzen. Sie beschreibt auch, was Jugendliche tun können, wenn sie alleine nicht mehr

weiterwissen, und wo sie Hilfen finden.

(BPtK)

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Am 1.4.2017 tritt die neue Psychotherapie-Richtlinie in Kraft. Details finden Sie hier:
Praxisinformation_Psychotherapie_Reform.
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